Von Oliver Abraham
Dechenhöhle Iserlohn. Die Höhlenführerin öffnet die grüne Metalltür, am Höhleneingang werden frische Waffeln verkauft. Und, ganz fern und fein, tief im Berg, in dieser zauberhaften Tropfsteinhöhle, sind da nicht musikalische Klänge zu hören? Fledermaus und Flötenspiel – in der Dechenhöhle wird es weihnachtlich. Kerzen flackern im Luftzug. Höhlen atmen im Rhythmus der Jahreszeiten; selten herrschen drinnen und draußen die gleichen Temperaturen. Im Winter erscheint die Dechenhöhle mit ihren kontinuierlichen zehn Grad Celsius auch gemütlich warm. Im Licht glitzern Kristalle an den Wänden und auf den ersten Tropfsteinen ein Spiel von Licht und Schatten. Diese Höhle ist mystisch, im Advent ist sie magisch. In einer versteckten Nische flackern Kerzen, es riecht nach nassem Fels, erste leise Melodien sind zu hören. Glockenspiel, Akkordeonklänge.

Weihnachtliche Führungen: Eine liebgewonnene Tradition in der Dechenhöhle
Nun ist das Lied zu erkennen: „Alle Jahre wieder…“ Es ist stimmungsvoll; die Gäste singen mit; die Akustik ist schön; die Atmosphäre heimelig mit all den Kerzen, der Beleuchtung, der Musik, dieser seltsam schönen Form einer Aufgehobenheit. „Manche unserer Musiker sind schon mehr als dreißig Jahre dabei“, berichtet der Geologe und Betriebsleiter der Höhle Stefan Niggemann. So freuen sich die Mitglieder des Letmather Akkordeonorchesters, die nur am 3. Advent spielen, so Niggemann weiter, jedes Jahr aufs Neue auf ihren Höhlenauftritt.

„Als im Jahr 1984 zum ersten Mal Musikanten zur Adventszeit in der Dechenhöhle auftraten und die Höhle mit Kerzen romantisch beleuchtet wurde, spazierten rund 200 Besucherinnen und Besucher durch die Höhle und sangen die Weihnachtslieder mit“, berichtet Stefan Niggemann. „Im vergangenen Jahr waren es mehr als 3000 Gäste, die sich an der adventlichen Stimmung in der Tropfsteinhöhle erfreuten.“ Die Gänge und Grotten sind romantisch beleuchtet, auch mit Kerzen. An verschiedenen Stellen in der Höhle, in den natürlich entstandenen Hallen, wird stimmungsvolle Musik vorgetragen, und es kann gemeinsam gesungen werden.

Faszination Kapellengrotte: „Heilige Familie“ und „Oh du fröhliche“
Längst sind die weihnachtlichen Führungen bei Kerzenlicht und Musik für viele Menschen zu einer festen Tradition geworden, berichtet Niggemann: „…so, wenn zum Abschluss der Tour alle Gäste in der Kapellengrotte vor einem Tropfsteingebilde, das ‚Heilige Familie‘ genannt wird, gemeinsam das Lied ‚Oh du fröhliche…‘ anstimmen.“ Stefan Niggemann ist seit 2005 Höhlenchef, und für ihn persönlich ist die besinnliche Atmosphäre der weihnachtlich geschmückten und beleuchteten Tropfsteinwelt jedes Jahr aufs Neue faszinierend.

An der Höhlendecke hängen Gebilde, zusammengewachsene Tropfsteine, die wie eine Gardine aussehen – weiß, creme- und karamellfarben, im Farbton von Schokolade oder rötlich. Große Tropfsteine stehen hier und sie hängen dort; manches dieser Schmuckstücke aus der Erdgeschichte sieht aus wie ein Baumkuchen, in seiner Farbigkeit geschichtet, anderes wie das Kunstwerk eines Zuckerbäckers mit Kalksinter wie Tortenguss. „Tropfsteine bitte nicht anfassen“, mahnt Niggemann; Schilder weisen auch darauf hin: „Die wachsen sonst nicht und sind sehr empfindlich. Sie wachsen übrigens unter optimalen Umständen rund einen Millimeter in zehn Jahren.“ Grün schimmert das Wasser im Nixenteich.

Klangwelten unter Tage: Akustik und Atmosphäre in der Tropfsteinhöhle
Nun sind die Klänge eines Dudelsackspielers zu hören, und sie schweben durch den Gang, erfüllen bald einen natürlichen Saal im Fels. Erst sind sie leise, dann werden sie mächtiger. Es ist berührend, diese Klänge auch zu spüren; man steht still und staunend vor den fantastischen Tropfsteinformationen und ist ergriffen auch von der Musik. In der Felswand hängen kleine Tropfsteine, sie sehen aus wie Eiszapfen. Märchenhaft ist das, möchte man denken; und bald darauf hört man die Stimme eines Erzählers, der genau das vorträgt: „… es war einmal…“ Alle, wirklich alle, sind still und hören zu.
„Höhlenforscher hatten damals die Idee, Heiligabend unter der Erde zu verbringen“, berichtet Niggemann, „um damit an eine Tradition der Ostkirche anzuknüpfen. Nach deren Überlieferung soll Jesus in einer Höhle geboren worden sein. Auch in Spanien gibt es Darstellungen der Heiligen Familie in Höhlen statt in einer Krippe, wie ich selbst auf Teneriffa und Mallorca erleben durfte.“ Weihnachten, diese besinnliche christliche Tradition und die Schönheit der Tropfsteinhöhle, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, so Niggemann, das passt einfach sehr gut zusammen.

Es sind sonderbar schöne Klänge, einerseits kraftvoll und andererseits von dieser gewissen Schwerelosigkeit. Es kommt hinzu, dass die Melodien einer Station beim weiteren Gang durch die Höhle langsam verklingen, während die Klänge der kommenden Station allmählich deutlicher werden. Und dabei wandelt man durch die faszinierende Traumwelt der Tropfsteine. „In der Höhle gibt es keine glatten Wände“, erklärt der Geologe, „deshalb ist die Akustik so hervorragend, etwas Besonderes – es entsteht ein schöner Hall, aber nicht zu extrem. Die Klänge scheinen durch die Grotten, Gänge und Hallen zu schweben.“ Geheimnisvoll ist es, und eine Form der Geborgenheit.
Vor einem weiteren Vorhang, gebildet aus dünnen und langgezogenen, durchscheinenden und zusammengewachsenen Tropfsteinen, stehen Kerzen, und es glitzert. Eine Fledermaus fliegt vorbei. Eine weitere Sintergardine, so heißt das in der Fachsprache und auch Geologen können bei so viel natürlicher Schönheit offenbar poetisch werden, ist mit blauem Licht angestrahlt, und die winzigen Kalkkristalle im Vorhang aus Stein glitzern wie Edelsteine auf Samt. Wieder singen die Gäste mit, bald sind Melodien Chopins vom E-Piano zu hören.
Eine Violinenspielerin sitzt im Verborgenen, und zunächst ist zwischen den Tropfsteinen nur ihr Schatten zu erkennen; ihr Spiel jedoch bereits zu hören. Und hier sind wir, am Ende einer fantastischen Reise – in der „Kapelle“, also der Kapellengrotte. Wieder singen sie alle mit – getragen und schön, nicht süßlich und kein Kitsch. Oh du fröhliche in der Höhle. Und war das gerade wieder eine Fledermaus? (erlebt im Advent ’24)

Besucherinformationen zur Dechenhöhle Iserlohn:
Die Dechenhöhle liegt in Iserlohn-Letmathe (NRW) im nördlichen Sauerland, entdeckt wurde die Höhle im Jahre 1868. Faszinierend sind natürlich die Tropfsteine: „Deren Vielfalt an Form und Farbe beflügelt die Fantasie der Besucherinnen und Besucher, die sie bestaunen, seit jeher“, meint Stefan Niggemann. „Benannt sind sie nach Märchenwesen oder Tierfiguren oder ganz profan als ‚Palme‘ oder ‚Baumkuchen‘.“ Auch bei der Namensgebung der großen, natürlich entstandenen Hohlräume im Berg waren bei der Entdeckung und Namensgebung wohl auch die frühen Forscher beeindruckt – „Königshalle“ und „Kaiserhalle“ hier, „Kristallgrotte“ und „Orgelgrotte“ dort. Die Dechenhöhle ist ganzjährig geöffnet.
Weihnachtliche Führungen bei Kerzenlicht und Musik 2025:
- 14.12.2025 Sonntag, 3. Advent, 13:30 – 16:00 Uhr
- 21.12.2025 Sonntag, 4. Advent, 13:30 – 16:00 Uhr
- 24.12.2025 Heiligabend, 11:00 – 17:00 Uhr
- 26.12.2025 2. Weihnachtstag, 13:30 – 16:00 Uhr
Dauer der Führungen ca. 50 Min., Einlass laufend (alle 10–30 Min.). Streckenlänge etwa 400 Meter.
Für Gruppen ab 20 Personen wird um Anmeldung gebeten. Für Einzelbesucher und Familien ist eine Anmeldung grundsätzlich nicht erforderlich. Ab dem 21. November wird aber ein Vorverkauf angeboten: Karten können für einen Tag und eine konkrete Führungszeit per E-Mail an dechenhoehle@t-online.de oder telefonisch (02374-71421) vorbestellt und nach Vorkasse postalisch zugesendet werden. Es wird darum gebeten, dazu den Tag, die gewünschte Uhrzeit, Ihre Postadresse sowie die Anzahl der Kinderkarten (3–15 J.) und Erwachsenenkarten (ab 16 J.) anzugeben.
Eintrittspreise Dechenhöhle 2025:
- Erwachsene (ab 16 J.): 11,00 €
- Kinder (3–15 J.): 7,50 €
Gruppen ab 20 Pers.:
- Erwachsene: 10,00 €
- Kinder (3–15 J.): 7,00 €
Die Ruhrtopcard gilt für diese Veranstaltung nicht.
Was ist in diesem Jahr geplant? Flötenspiel, Gitarre, mittelalterliche Instrumente, Akkordeon, Geigenspiel und Klavier.
Weitere Informationen zur Region:
- Informationen zur Höhle: dechenhoehle.de
- Informationen zur Urlaubsregion Sauerland: sauerland.com
Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Bericht stellt keine Wertung untereinander und/oder gegenüber anderen Unternehmen, Personen, Waren oder Dienstleistungen o.Ä. dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Die Reise wurde unterstützt von Sauerland-Tourismus e.V.
