Schneeglöckchen-Tage Kloster Knechtsteden: Zarte Lichtblicke im Wintergrau

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Von Oliver Abraham und Mario Vedder (Fotos)

Dormagen/NRW. Schneeglöckchen-Tage Knechtsteden – welch Lichtblicke in der dunklen Jahreszeit! Natur in Schwarz-Weiß und Frost statt Farbe. Der Beginn des Gartenjahres ist fern, es scheint zumindest so – wo ist Vorfreude, wo ein Lichtblick? Zwar werden die Tage länger, aber was sieht man schon?

Schneeglöckchen-Tage Kloster Knechtsteden: Zarte Lichtblicke im Wintergrau – Travelling Journal
Schneeglöckchentage im Kloster Knechtsteden. Foto: Mario Vedder

Es ist die dunkle Jahreszeit und nichts blüht. Nichts? Na, fast nichts. Man muss schon genau hinschauen – denn hier und heute blüht ihnen schon etwas, ihnen, diesen Leuten, die ganz genau hinschauen: Man möchte gern ausgefallenere Sorten haben. Man wolle sich etwas Schönes kaufen, nicht unbedingt Raritäten, aber wenn man schon hier sei …. Und wenn man bereits ein paar verschiedene Sorten im Garten habe, dann könne es passieren, dass man eben nicht mehr so einfach etwas Neues finde. Was man vielleicht aber gern hätte, für die Farbe im Wintergrau, für die Vorfreude auf den Frühling. Ob „Harlequin“ für 125 Euro wohl so etwas wäre? „…she is worth every penny!“ Sagt der Mann hinter dem Stand, der solche Schätzchen züchtet.

Joe Sharman, der legendäre Züchter hinter vielen der begehrtesten Schneeglöckchen-Raritäten. Foto: Mario Vedder
Joe Sharman, der legendäre Züchter hinter vielen der begehrtesten Schneeglöckchen-Raritäten. Foto: Mario Vedder

Viel Geld? Es geht um kleine, zarte Blumen, die auch 2000 Euro und mehr kosten können. Pro Stück, Ausnahmen sind das gewiss. „Und ich kenne niemanden, der sie nicht toll findet“, sagt derjenige, der diesen Pflanzenmarkt veranstaltet, „sie sind Sympathieträger.“

Kostbare Zwiebeln: Die Faszination der Schneeglöckchen-Sammlerszene

Es geht um Schneeglöckchen, um kleine Lichtblicke in der dunklen Jahreszeit. Und hört man sich während der „Schneeglöckchen-Tage“ auf dem Gelände des Klosters Knechtsteden im Niederrheinischen unter den Besuchern um, dann weiß man, die Leute sind hier auf der Suche nach Vorboten des Frühlings und zwar in ihrer ganzen Vielfalt.

Schaut man dann bei den Händlern und Züchtern aus dem In- und Ausland, bei nach Veranstalterangaben hunderten Sorten ganz genau hin, beginnt man zu verstehen: es gibt Schneeglöckchen zum Beispiel mit hübscher Zeichnung auf den Blüten oder in anderen Farben als nur weiß. Und es gibt Sorten, für die Spitzenpreise aufgerufen werden, für die vierstellige Summen bezahlt werden. Wohlgemerkt: für eine Zwiebel, mit einem Stängel und zwei Blüten, rund 2.200,- Euro für ein Schneeglöckchen namens „Golden Tears“.

Schneeglöckchen-Tage Kloster Knechtsteden: Zarte Lichtblicke im Wintergrau – Travelling Journal
120 Euro für ein Schneeglöckchen. Foto: Mario Vedder

Solche Summen sind hier nicht zu erwarten, die werden bei Online-Versteigerungen gezahlt, aber 120 Euro, 125 Euro, auch 240 Euro für ein Schneeglöckchen, die kann man hier und heute durchaus bezahlen. Muss man aber nicht: „Schöne Schneeglöckchen müssen nicht die Welt kosten“, sagt Martin Pflaum. Er ist der Veranstalter der Schneeglöckchentage im Kloster Knechtsteden, die finden in diesem Jahr am Wochenende des 21. und 22. Februar 2026 statt. Für Schneeglöckchen gibt es auch in Deutschland längst eine Sammlerszene, Pflaum schätzt die Zahl der daran hierzulande ernsthaft Interessierten auf eine vierstellige Zahl.

Schneeglöckchen-Tage Knechtsteden: Ein Fest für Gartenliebhaber

Schneeglöckchen-Tage Knechtsteden
Schneeglöckchen waren zuerst Sammlerobjekte in Großbritannien. Foto: Mario Vedder

Vom Gartenfreund zum Galantophilen: Der Boom der Schneeglöckchen-Leidenschaft

Zunächst gab es Schneeglöckchen als Sammlerobjekte in Großbritannien, und das bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Wann genau diese Leidenschaft nach Deutschland kam und sich etablierte, kann Martin Pflaum nicht sagen, erkannte aber, dass sich neben Züchtern und Sammlern zunehmend normale Gartenfreunde daran erfreuen. Längst gibt es bundesweit zahlreiche einschlägige Märkte und Pflanzenbörsen. Teure Sorten seien laut Martin Pflaum Objekte für Sammler und Liebhaber, die neue Züchtungen unbedingt haben wollen. Und der Preis letztlich keine Rolle spiele.

Hobbygärtnern bieten Händler und Züchter eine Vielzahl an schönen, jedoch preiswerten Varianten, die robust und genügsam, wüchsig und vermehrungsfreudig sind. Daran habe man, so Pflaum, schnell Freude und mit verschiedenen Sorten auch einen langen Blühzeitraum.

Schneeglöckchen-Tage Kloster Knechtsteden: Zarte Lichtblicke im Wintergrau – Travelling Journal
Ein Harlequin für 125 Euro. Foto: Mario Vedder

Das ist für manche Insekten wie zum Beispiel Wild- oder Honigbienen, insbesondere für die Hummelkönigin, wichtig, die nach ihrer Winterstarre ausfliegen und Nahrung brauchen. Außer beispielsweise Krokus oder Christrose blüht noch nicht viel. Vielleicht aber ein Winterbuffet aus Schneeglöckchen. Üblicherweise blühen Schneeglöckchen im späten Winter, dem zeitigen Frühjahr. Es gebe aber Schneeglöckchen-Varianten, die bereits im Oktober blühen oder aber erst im April – und wenn man solche verschiedenen Sorten kombiniere, dann blüht etwas über den ganzen Winter.

Schneeglöckchentage im Kloster Knechtsteden. Hier im Foto: Michael Dreisvogt, Leiter des Arboretum Park Härle in Bonn. Foto: Mario Vedder
Michael Dreisvogt, Leiter des Arboretum Park Härle in Bonn. Foto: Mario Vedder

„Schneeglöckchen erfreuen das Herz und die Seele“, sagt Pflaum, „sie sind fast das Einzige, was in der dunklen Jahreszeit blüht, sie sind Vorboten und Lichtblicke.“ Er selbst habe sich vor ein paar Jahren für zehn, fünfzehn Euro ein Schneeglöckchen gekauft, „Nothing Special“ hieß die Sorte, pflanzte sie in seinen Garten, sie vermehrten sich von selbst, und heute freut sich Martin Pflaum über sogenannte Tuffs, über fußballgroße Polster also, wo sie dicht wachsen. „Man fängt am besten mit etwas Preiswertem und Einfachem an“, empfiehlt er.

Züchtung und Schutz: Joe Sharman, der „König der Schneeglöckchen“

Ursprünglich stammen Schneeglöckchen aus dem Mittelmeerraum, aus Kleinasien und dem Kaukasus. Natürliche Vorkommen in Deutschland gibt es ganz vereinzelt im Süden; was hierzulande „draußen“ wächst, sind in der Regel Gartenausbrecher oder stammt von illegal abgekipptem Gartenabfall. In freier Natur wachsende Schneeglöckchen sind in der Regel ohne besondere Kennzeichen. Und: „Man darf Schneeglöckchen in Deutschland nicht aus der Natur entnehmen – sie stehen unter Naturschutz“, sagt Martin Pflaum. Auch internationale Artenschutzabkommen schützen Schneeglöckchen. Die auf den Märkten angebotenen Schneeglöckchen stammen ausschließlich aus gärtnerischer Vermehrung – dort wird mit Pollen, Pinsel und Pinzette, also mittels künstlicher Bestäubung, gezielt gearbeitet, um die gewünschten Merkmale zu erhalten.

Hobbygärtner begutachten verschiedene Schneeglöckchen-Sorten auf den Schneeglöckchen-Tagen im Kloster Knechtsteden. Foto: Mario Vedder
Hobbygärtner begutachten verschiedene Schneeglöckchen-Sorten. Foto: Mario Vedder

Vor einem Stand drängen sich Leute: bei Joe Sharman, der gilt als „König der Schneeglöckchen“, ist passionierter Gärtner und Pflanzensammler. Und er züchtet Schneeglöckchen in seiner „Monksilver Nursery“ nahe Cambridge / UK; auch „Golden Tears“ stammt von dort. Für den kontinentaleuropäischen Markt hat er eine kooperierende Gärtnerei in der EU.

Schneeglöckchentage im Kloster Knechtsteden. Foto: Mario Vedder/travelling-journal.com
Schneeglöckchen bergen viele Geheimnisse. Foto: Mario Vedder

Mitte der 1980er-Jahre entdeckte Joes Mutter ein Nest Schneeglöckchen, dessen Zeichnungen in der weißen Blüte gelb statt grün waren. Das sei eine bis dato unbekannte Varietät gewesen, Joe Sharman nannte sie „Wendys´ Gold“ – und die Sammlerszene sei darauf, auf Joe selbst, aufmerksam geworden. Bis heute gelte die „Monksilver Nursery“ als eine der Quellen für besonders ausgefallene, züchterisch neue Sorten Schneeglöckchen.

Von der Kreuzung zum Rekordpreis: Geduld in der Schneeglöckchenzucht

Trotz langjähriger Erfahrung in der Zucht und dem Wissen um Schneeglöckchen sei ein Zuchterfolg keinesfalls garantiert, und schnell gehe es sowieso nicht: So dauerte es beispielsweise zehn Jahre ab der ersten Kreuzung zweier Schneeglöckchen mit gelber Zeichnung, einer spannenden und vielversprechenden Sorte also, bis die neuen Schneeglöckchen eine schöne, neue Sorte versprachen.

Joe Sharman und seine Schneeglöckchen-Raritäten. Foto: Mario Vedder
Joe Sharman und seine Schneeglöckchen-Raritäten. Foto: Mario Vedder

Und es dauerte weitere acht Jahre, bis Sharman genügend Blumenzwiebeln davon hatte, um am Markt damit auftreten zu können – das war „Golden Fleece“ und eine Zwiebel wurde im Februar 2015 für 1.390,- Pfund Sterling versteigert. Bei einem solchen Preisniveau für diese Sorte bleibe es in der Regel nicht auf Dauer. Und da muss ohnehin alles stimmen – besonders hübsche Zeichnung auf der Blüte oder schöne Farbe, etwas noch nie Dagewesenes.

Alle Merkmale der Pflanze können züchterisch bearbeitet werden, meint Joe Sharman, es gebe „noch sehr viele Möglichkeiten.“ Die meisten Sämlinge allerdings würden nie verkauft werden, sondern landen auf dem Komposthaufen, das ist nicht unüblich in der Pflanzenzucht, und die Erfolgsquote sei sehr gering. Es sei natürlich reizvoll, immer neue Dinge zu probieren, meint er. Gibt es Geheimnisse in der Zucht, noch nicht Entschlüsseltes – gibt es also Überraschungen, was bei der nächsten Kreuzung herauskommt? Immer wieder!, positive wie negative, und so bleibe es spannend. Es sei eben nicht nur eine Nuss, die es zu knacken gelte, meint Joe Sharman, sondern eher eine ganze Handvoll.

Joe Sharman, der „König der Schneeglöckchen" und renommierter Züchter aus der "Monksilver Nursery". Foto: Mario Vedder
Joe Sharman, der „König der Schneeglöckchen“ und renommierter Züchter. Foto: Mario Vedder

Bei „Golden Tears“ sei lange die Pflanze das Geheimnis geblieben, dessen Gene das Gelb verursacht, es stellte sich heraus, dass eine relativ unscheinbare Pflanze das Gen für die gelbe Farbe weitergibt. Wissen vermehrt sich, Geheimnisse bleiben. Und Zufälle gibt es: In den Niederlanden wurde eines der ersten Schneeglöckchen entdeckt, das fast vollständig grüne Blüten ausbildet – bei der Durchsicht einer Schneeglöckchenpopulation direkt neben dem Kuhstall; „Cowhouse Green“ heißt die Sorte jetzt.

Joe Sharman (l.) und Michael Dreisvogt, Leiter des Arboretum Härle. Foto: Mario Vedder
Joe Sharman (l.) und Michael Dreisvogt, Leiter des Arboretum Härle. Foto: Mario Vedder

Neben den vielen Sorten Schneeglöckchen ist es hier und heute auch die Fachberatung: Manche Besucherinnen und Besucher halten Wunschlisten in den Händen, suchen „Diggory“ oder „Trympostor“, und gehen von Stand zu Stand. Kommen auch zu ihm; auch Joe Sharman hilft und berät bei der Auswahl.

Manche Raritäten können schnell ausverkauft sein. „Take it now! Such dir schnell noch eine aus – hier: die ‚Ice Princess‘.“ 120 Euro. Aber es gibt auch, hier wie an den anderen Ständen, günstige Schneeglöckchen für deutlich unter zehn Euro – Blumen fürs Herz und für die Seele sind sie alle, Lichtblicke und etwas für die Vorfreude, wenn es noch kalt und lange dunkel ist. Zwar spürt man schon, dass der Winter bald zu Ende geht, und mit Schneeglöckchen sieht man es auch.

Arboretum Härle und Texel: Expertenwissen und Wildnis der Schneeglöckchen

Michael Dreisvogt ist Leiter des Arboretum Härle in Bonn-Oberkassel. Dort wachsen mehr als 400 Sorten Schneeglöckchen. Dreisvogt bekommt als Leiter dieses Arboretums auch von Züchtern Schneeglöckchen, die diese für ihre Zucht nicht verwenden können. „…die sind aber trotzdem schön, und es sind immer wieder hübsche Überraschungen dabei.“

Michael Dreisvogt, Leiter des Arboretum Park Härle in Bonn. Foto: Mario Vedder
Michael Dreisvogt, Leiter des Arboretum Park Härle in Bonn. Foto: Mario Vedder

Die Blüten der Schneeglöckchen haben kaum Konkurrenz im Garten, meint Michael Dreisvogt, aber im Gegensatz zu Winterjasmin oder Christrose viele Facetten. Und seien es nicht intensive Momente beim Betrachten, beim Genauer-Hinsehen? Denn solche Kleinigkeiten würden während oder kurz nach einem langen Winter doch glücklicher machen als manch Großes. Zudem lenke im Winter kaum etwas anderes ab. Wenn die ersten Schneeglöckchen durch den Schnee brechen und die zarten Blüten in einem harschen Umfeld bestehen, „…dann bleibt doch niemand unberührt! Sie sind charmant, sie erwärmen unser Herz.“

Begleitendes Vortragsprogramm und weitere Frühlingsboten

Zu den Schneeglöckchentagen 2026 gibt es ein begleitendes Vortragsprogramm, zwei Beispiele: der Gartenreiseveranstalter und YouTuber Markus Radscheit wird über die niederländische Nordseeinsel Texel berichten. Im Winter und zeitigem Frühjahr seien sogar Fachleute von der immensen Fülle an Schneeglöckchen dort überrascht, heißt es in der Ankündigung.

In den 1950er-Jahren war Texel eine arme Insel und Schneeglöckchen wurden vermehrt, auch in die halbschattigen Dünenwälder gesetzt; sie verwilderten. Dann begann der offene Feldanbau, und Texel wurde zu einem der größten kommerziellen Standorte mit Schneeglöckchenfeldern bis zum Horizont, heißt es in der Ankündigung zu diesem Vortrag, und es existieren gleichzeitig noch die Relikte der historischen Verwilderungen.

Schneeglöckchen-Tage Kloster Knechtsteden: Zarte Lichtblicke im Wintergrau – Travelling Journal
Ein Korb voller Schneeglöckchen. Foto: Mario Vedder

Die Gärtnerin und Sachbuchautorin Anne Repnow wird laut der Programmankündigung darüber berichten, dass es auch im winterlichen Garten immer etwas zu sehen gibt und nimmt die Gäste mit auf eine Bilderreise und zeigt, dass es neben vielfältigen Schneeglöckchen auch andere schöne Pflanzen gibt, die in der dunklen, kalten Jahreszeit erfreuen. Denn wer genauer hinschaue, heißt es in der Ankündigung zu diesem Programmpunkt weiter, der sehe auch dann farbige Akzente und Zeichen des Lebens. So werden auf den Schneeglöckchentagen nicht nur Schneeglöckchen angeboten, sondern auch andere Frühblüher in neuen und ungewöhnlichen Züchtungen.

Informationen und Termine der Schneeglöckchentage im Kloster Knechtsteden:

Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Bericht stellt keine Wertung untereinander und/oder gegenüber anderen Unternehmen, Personen, Waren oder Dienstleistungen o.Ä. dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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