Gruben-Light-Dinner Ramsbeck: Fine Dining tief unter dem Sauerland

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Gruben-Light-Dinner Ramsbeck: Fine Dining tief unter dem Sauerland

Von Oliver Abraham

Bestwig/NRW. Hier zogen sich die Bergleute einst um. Lange Bänke stehen in der Mitte des hohen, hallenartigen Raumes; heutzutage bekommen Besucher ihre Grubenhelme in der ehemaligen Kaue. Und eine Einweisung auch, denn gleich fahren Gäste ein in das ehemalige Erzbergwerk Ramsbeck im Sauerland.

Dunkler Tunnel mit Gleisen und Lichtern
Kerzen leuchten im stillgelegten Stollen des Besucherbergwerks Ramsbeck. Foto: Mario Vedder

1974 wurde der Abbau eingestellt, und seitdem ist das Sauerländer Besucherbergwerk ein faszinierendes Museum. Manchmal noch mehr: seitdem der Hotelier Josef Nieder aus dem nahen Bestwig-Ostwig vor einem Vierteljahrhundert auf die Idee mit dem Gruben-Light-Dinner kam, kann man im Berg, in der alten Infrastruktur, zu bestimmten Terminen und nach Anmeldung lecker essen – „Fine Dining“ in der Unterwelt. „Glück Auf!“ heißt der Gruß der Bergleute, und so werden wir begrüßt.

Grubendinner im stillgelegten Stollen des Besucherbergwerks Ramsbeck. Foto: Mario Vedder
Gemütliches Licht zum Dinner. Foto: Mario Vedder

Das Gruben-Light-Dinner Ramsbeck bietet ein unvergleichliches Erlebnis, das tief in der Geschichte des Bergbaus verwurzelt ist.

Grubendinner im stillgelegten Stollen des Besucherbergwerks Ramsbeck. Foto: Mario Vedder
Einfahrt in die Unterwelt. Foto: Mario Vedder

Einfahrt in die Unterwelt: Das Erlebnis Besucherbergwerk Ramsbeck

Vor dem Essen also ein Erlebnis als Entree: Der Bergwerksführer hat seine Gruppe auf dem kleinen Bahnhof direkt vor dem Stollen versammelt, die Schmalspurbahn zur Einfahrt in die Unterwelt steht nun zur Abfahrt bereit. Die kleinen Waggons sind eng, für zwei Erwachsene passt’s, dann wird der Platz knapp. Anhänger an Anhänger reiht sich auf den Schienen, Tür um Tür fällt scheppernd zu.

Für einen Augenblick ist Ruhe, dann schlägt die Glocke dreimal, und mit einem heftigen Ruck fährt die Bahn und verschwindet im Stollen. Ketten klirren und Kupplungen krachen, die Waggons quietschen und schaukeln in den Kurven, kreischen über Weichen; beim Blick durch die vergitterten Fenster sieht man Lichtreflexe über den Fels huschen, an der Decke hängen zarte Tropfsteine dünn wie Makkaroni.

Gruben-Light-Dinner Ramsbeck
1500 Meter geht es weit hinein in den Berg in Ramsbeck. Foto: Mario Vedder

Die Fahrt dauert ungefähr zehn Minuten, dann hält der Zug auf einem anderen Bahnhof tief unter Tage – 1.500 Meter weit ist die Bahn in den Berg gefahren, rund 300 Meter Fels liegen darüber.

Grubendinner im stillgelegten Stollen des Besucherbergwerks Ramsbeck. Foto: Mario Vedder
Der Bergwerksführer erzählt aus der Zeit, als hier pro Tag 2.000 Tonnen Erz abgebaut wurden. Foto: Mario Vedder

Der Bergwerksführer nimmt seine Gäste mit auf eine Reise; nicht nur in diese sonderbare und faszinierende Unterwelt, sondern auch mit in die Zeit, als hier pro Tag 2.000 Tonnen Erz abgebaut, als jede anderthalb Minuten eine Lore beladen wurde. Ein paar Kilometer dieser Stollen sind für Besucher hergerichtet, und es gibt noch zig Kilometer anderer Gänge. Die sind verborgen und verboten, und die Stollen unterhalb dieses Niveaus inzwischen im Grubenwasser ersoffen.

Grubendinner im stillgelegten Stollen des Besucherbergwerks Ramsbeck. Foto: Mario Vedder
Eine Reise durch Zeit und Raum, eine filmreife Kulisse. Foto: Mario Vedder

Authentische Kulisse: Eine Reise durch Zeit und Erzabbau

Eine Reise durch Zeit und Raum. Es gibt zum Beispiel Förderanlagen zu besichtigen; all dies wirkt wie eingefroren bei einer Filmpanne, das große Ganze und die vielen Details – nur ohne Arbeiter, und es wirkt auf eine berührende Weise so, wie gestern erst verlassen.

Der Bergwerksführer erklärt, was das ist, wie gearbeitet wurde. Mal tropft Wasser, mal glitzert das Gestein, es riecht nach nassem Fels hier und nach Steinstaub dort. Kleine Bäche fließen durch die Stollen, und auch wer zu Fuß geht, „fährt ein“. So heißt das bei den Bergleuten.

Grubendinner im stillgelegten Stollen des Besucherbergwerks Ramsbeck. Foto: Mario Vedder
Besucher vor der Original-Kulisse im Besucherbergwerk Ramsbeck. Foto: Mario Vedder

„Unsere Gäste sagen, dass sie von der Fahrt mit der Grubenbahn besonders beeindruckt sind“, berichtet Friederica Ihling, die Historikerin ist Leiterin des Sauerländer Besucherbergwerkes Ramsbeck. „Aber sie sind es natürlich auch von den Anlagen, vom Bergwerk selbst – es ist schließlich eine Original-Kulisse und keine Inszenierung, wir bewahren das, was da war, es wurde nichts hinzugefügt, nichts nachgebaut.“

Grubendinner im stillgelegten Stollen des Besucherbergwerks Ramsbeck. Foto: Mario Vedder
Riesige Förderanlagen. Foto: Mario Vedder

Tief im Berg befinden sich die Geräte zum Abbau von Erz und Gestein, die riesigen Förderanlagen, die damals zu den größten und modernsten ihrer Zeit gehörten. Und es entsteht der Eindruck, als ob es jeden Augenblick wieder losgehen würde.

Gruben-Light-Dinner Ramsbeck: Fine Dining tief unter dem Sauerland – Travelling Journal
Es gibt noch Erz im Besucherbergwerk Ramsbeck. Foto: Mario Vedder

Könnte? „Es gibt durchaus noch abbauwürdiges Erz, aber damals in den frühen 1970er-Jahren lohnte sich der Abbau von Blei- und Zinkerzen wirtschaftlich nicht mehr“, berichtet Friederica Ihling. Ob man’s eines Tages wieder braucht, ob es einmal wieder nützlich sein wird oder nötig? Wie dem auch sei: Vor dieser Kulisse kann man sich vorstellen, was die Arbeit der Bergleute einst bedeutet hat – der Lärm, die Kälte, die Dunkelheit, die Enge, der Dreck, die Gefahr.

Erst recht, als der Bergwerksführer einen Bohrwagen anwirft, nur kurz und im Leerlauf, aber der Lärm ist unmittelbar körperlich zu spüren, er ist betäubend und verstörend, es riecht nach Hydrauliköl. „Man beginnt zu begreifen, mit welchem Risiko die Bergleute für das, was wir an Rohstoffen brauchten, dort unten gearbeitet haben“, sagt Friederica Ihling. „Man bekommt Respekt vor ihrer Arbeit und auch vor dem technischen Sachverstand, solche Anlagen im Berg zu installieren.“

Grubendinner im stillgelegten Stollen des Besucherbergwerks Ramsbeck. Foto: Mario Vedder
Die alte Kippstation wird zum festlichen Speisesaal. Foto: Mario Vedder

Das Gruben-Light-Dinner: Fine Dining in der ehemaligen Kippstation

Rohre und Kabel an der Stollenwand, es rauscht leise und summt verhalten, alle paar Meter Lampen, es ist geheimnisvoll. Es ist authentisch. Die Schritte knirschen, Atemwölkchen vor den Gesichtern. Und nun stehen Kerzen am Boden des Stollens, flackern in Felsnischen, wo auch die Heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute, steht und wacht. Es ist schließlich noch immer ein, wenngleich stillgelegtes, Bergwerk.

Musik ist zu hören, als wir uns der alten Kippstation nähern. Betonsäulen stehen in dieser Halle, Stahlstreben an der Decke, von Licht illuminiert – bläulich-kühl der Fels, in warmen Farben die schön gedeckten Tische. Das wirkt sehr feierlich und überrascht völlig.

Grubendinner im stillgelegten Stollen des Besucherbergwerks Ramsbeck. Foto: Mario Vedder
Das Gruben-Light-Dinner gibt es bereits seit 2001. Foto: Mario Vedder

Das Gruben-Light-Dinner gibt es seit dem Jahr 2001. Damals suchte der Bestwiger Hotelier Josef Nieder einen besonderen Ort, um eine Besuchergruppe bewirten zu können, und er fand mit der ehemaligen Kippstation im Sauerländer Besucherbergwerk Ramsbeck einen geeigneten, außergewöhnlichen Platz, um fein zu essen.

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Schinken zum Auftakt. Foto: Mario Vedder

„Seitdem läuft das Angebot sehr gut, die Veranstaltungen am Samstag sind auf Monate im Voraus ausgebucht“, meint er. „Es ist ja auch aufregend – wenn man die letzte Biegung des Stollens geht, die Kerzen am Boden und in den Felsnischen sieht und dann vor den festlich gedeckten Tischen steht. Das ist schon eine besondere Atmosphäre.“

 

Das Gruben-Light-Dinner Ramsbeck erschafft eine einzigartige Atmosphäre, in der Geschichte und Genuss vereint werden.

Grubendinner im stillgelegten Stollen des Besucherbergwerks Ramsbeck. Foto: Mario Vedder
Alte Rohre im Besucherbergwerk Ramsbeck. Foto: Mario Vedder

Authentisches Ambiente: Henkelmann-Dinner in historischer Tiefe

Die alte Kippstation, so tief im Berg gelegen, ist Teil des ehemaligen Erzabbaus unter Tage und eine große, hohe Halle. Feiner Schotter am Boden, Betonstützen und Stahlverstrebungen, Gleise und Gerät – man tafelt nicht vor einer erfundenen Kulisse, sondern an einem authentischen Ort.

Und es ist ein krasser Kontrast: schroff und schön, kühles blaues Licht am Fels und warm-orangene Töne auf den Tischen, sanfter „Orinoco Flow“ aus den Lautsprechern statt erschütterndes Gedröhn des Atlas-Copco-Bohrwagens, festliche Tafel heute Abend statt Tausende Tonnen Erz pro Tag. „Das Essen übrigens fährt extra ein“, berichtet Josef Nieder, „es kommt mit einem eigenen Transportzug, das liefern wir schon an, bevor die Gäste einfahren.“

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Den Hauptgang gibt es im Henkelmann. Foto: Mario Vedder

Es ist angenehm; die Atmosphäre und das sich an den schönen Tisch setzen, es ist ein Aufgehobensein, und auf das Essen freut man sich erst recht. Nieder verweist auf warme Kleidung (hier unten ist es immer um die zehn Grad kühl) und darauf, robustes Schuhwerk zu tragen.

Kerzen stehen auf den Tischen und sie spenden sanftes, schönes Licht, die Tischdecken und Servietten sind aus Stoff, das ist wertig, eine feine Tafel dort, wo die Bergleute früher aus dem Henkelmann gegessen haben. Wer am Tisch sitzt, und nur dort, darf seinen Helm abnehmen, und wer auch nur auf die Toilette geht, setzt ihn wieder auf. Der Helm übrigens ist kein Gag, ihn zu tragen Pflicht außer zu Tisch – und nun kommt das Dinner in der Grube:

Grubendinner im stillgelegten Stollen des Besucherbergwerks Ramsbeck. Foto: Mario Vedder
Schinken und Brot, serviert auf einer Schieferplatte. Foto: Mario Vedder

Es gibt vorab Schinken und Brot, serviert auf einer Schieferplatte, als Hauptgang kleine Mini-Haxen („…ohne Fett“, sagt Nieder) mit Sauerkraut und Kartoffeln, serviert im Henkelmann – man öffnet diese Alu-Box und nimmt eine Schale heraus, speist davon. „Der Knochenschinken stammt vom Metzger hier aus dem Ort und das Brot kommt vom hiesigen Bäcker“, berichtet Josef Nieder. „Der Kohl für das Sauerkraut stammt aus der Soester Börde, gleich aus der Nachbarschaft also, und wer möchte, kann mit einem Sauerländer Pils anstoßen.“ Alkohol ist hier und heute erlaubt, aber aus Sicherheitsgründen limitiert. Fine Dining in der Unterwelt also, und das mit Henkelmann.

Genießen Sie das Gruben-Light-Dinner Ramsbeck und lassen Sie sich von den Aromen und der Atmosphäre verzaubern.

„Ach ja, der Henkelmann“, sagt Josef Nieder, „so ganz einfach war es damals, zur Jahrtausendwende, nicht, eine genügende Anzahl davon zu bekommen.“ Dieses dreistufige Essgeschirr aus Aluminium war einst typisch, darin brachten, nicht nur, die Bergleute ihr Essen mit zur Arbeit. Josef Nieder fand genügend Henkelmänner, damit heute jeder Gast aus einem solchen speisen kann. „Die sind echt, die sind ein paar Jahrzehnte alt, und ich musste richtig danach suchen“, sagt Josef Nieder. „Aber es soll doch so authentisch sein wie möglich.“

Die Tradition des Gruben-Light-Dinner Ramsbeck lebt weiter und erfreut sich großer Beliebtheit.

Durch den Eickhoff-Stollen geht es tief ins Besucherbergwerk Ramsbeck. Foto: Mario Vedder
Durch den Eickhoff-Stollen geht es tief ins Besucherbergwerk Ramsbeck. Foto: Mario Vedder

Informationen zum Sauerländer Besucherbergwerk Ramsbeck und dem Gruben-Light-Dinner:

Besuchen Sie das Gruben-Light-Dinner Ramsbeck und erleben Sie eine außergewöhnliche Verbindung von Kulinarik und Bergbaugeschichte.

Das Gruben-Light-Dinner Ramsbeck ist ein Muss für alle Feinschmecker und Geschichtsinteressierten.

Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Bericht stellt keine Wertung untereinander und/oder gegenüber anderen Unternehmen, Personen, Waren oder Dienstleistungen o.Ä. dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Verpassen Sie nicht die Gelegenheit, das Gruben-Light-Dinner Ramsbeck zu erleben – eine unvergessliche Erfahrung wartet auf Sie.

Die Reise wurde unterstützt von Sauerland-Tourismus e.V.

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