Radtour durchs Ruhrgebiet: Von Trinkhallen, Transformation und echter Budenkultur

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Von Oliver Abraham

Herne, Gelsenkirchen. Auf der einen Seite vom Radweg: Eichen, ein Stoppelfeld und der Bauer macht Stroh, Waldrand. Auf der anderen Seite fällt der Blick auf eine Deponie, wo Bagger an diesem Berg arbeiten. Hier der schöne Landschaftspark Hoheward, dort das Mega-Kraftwerk bei Herne am Kanal. Viel Grün vor Industriekulisse. Mittendrin die neue Emscher, der neue Fluss – die meiste Zeit entlang idyllischem Grün auf gefälliger, gelungener Strecke, sehr viel wurde gemacht und einige wirklich schöne Orte geschaffen.

Tag der Trinkhallen, Ruhrgebiet, Ruhr
Typische Straßenszene auf Schalke. Foto: Mario Vedder

Dann ein Stück auf schattenlosem Deich, dann Umleitung ins Innerstädtische, man ist noch dabei, noch ist nicht alles fertig. Umbau und Transformation. Parks und Gärten, Trinkhallen Ruhrgebiet, historische Zechensiedlungen unter alten Bäumen, Ausfallstraßen unter Autobahnen. Krasse Kontraste sind es bisweilen auf einer Radtour durch das Ruhrgebiet. Und das macht es so spannend, interessant und überraschend. Deshalb immer wieder gern.

Tag der Trinkhallen, Ruhrgebiet, Ruhr
Inmitten der grünen Idylle fällt der Blick auf die Deponie. Foto: Mario Vedder

Es lohnt sich, es ist ein Erleben. Solche Radtouren sind bisweilen fordernd und mehr als fünfzig Tageskilometer sollte man sich nicht vornehmen. Deutschlands größter Ballungsraum, die „Ruhr-City“ mit ihren fünf Millionen Einwohnern, ist ein einzigartiger, ein besonderer Ort. Dieser Raum befindet sich in Umwandlung und Baustellen gehören dazu. Umleitungen sind manchmal eben nötig, denn immer gradlinig können solche Wege ebenso wenig verlaufen wie Prozesse schnell und störungsfrei stattfinden. So gehört Anstrengung dazu. Kontraste aber, die gehen hier von jetzt auf gleich: Idyllisches Grün und dann die vierspurige Schnellstraße mit donnernden Lastkraftwagen, Bagger hier und Bussard dort, Schönheit und Schrottplatz, sumpfiger Bruchwald als Naturparadies mit Ringelnattern und Rinnsal im Betonkorsett.

Tag der Trinkhallen, Ruhrgebiet, Ruhr
Alte Zechen werden zu Freilichtmuseen. Foto: Mario Vedder

Trinkhallen Ruhrgebiet: Mit dem Fahrrad zu einzigartiger Ruhrkultur

Mit dem Fahrrad auch unterwegs zu einzigartiger Ruhrkultur: Ein guter Grund, hier aufs Rad zu steigen, ist der „Tag der Trinkhallen“. Trinkhallen sind Kioske, Buden, klitzekleine Nahversorger, Treffpunkte, und irgendwie sind sie überall. Für Radfahrer lohnt sich dort ein Stopp auf der Strecke; für die kühle Flasche Wasser hier und vielleicht eine Frikadelle dort, und um gegebenenfalls zu fragen – wohin jetzt? Allein bleibt hier niemand. Trinkhallen sind Ruhrgebiet. Auf Radtour also zwischen Herne-Sodingen und Gelsenkirchen Erle, zwischen „Heikes Kiosk“ und dem „Kiosk Mummel“ – zwei Trinkhallen in jeweils ruhigem Viertel, Orte zum Auftanken.

Tag der Trinkhallen, Ruhrgebiet, Ruhr
Mit dem Fahrrad unterwegs im Ruhrgebiet zu einzigartiger Ruhrkultur: Ein guter Grund hier aufs Rad zu steigen, ist der „Tag der Trinkhallen“. Foto: Mario Vedder

Und in „Ruhr-City“ geht, auch was Radfahren betrifft, noch eine ganze Menge mehr: Der Emscher-Radweg oder die Erzbahntrasse zwischen Bochum, über Gelsenkirchen, und dem Rhein-Herne-Kanal sind unbedingt empfehlenswert. Nur zum Beispiel und das Ruhrgebiet ist überraschend grün, am besten zu erleben mit dem Fahrrad – aber jetzt geht’s erstmal anne Bude.

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Mit dem Rad auf dem Deich, im Blick: Das Kraftwerk. Foto: Mario Vedder

Heikes Kiosk – Tradition seit über 25 Jahren

Seit mehr als 25 Jahren betreibt Heike Chuchra ihre Trinkhalle „Heikes Kiosk“ in Herne-Sodingen, seit zehn Jahren ist ihre Tochter Cordula Blanck mit von der Partie, sie kehrte ins Ruhrgebiet zurück. „…ich liebe den Kontakt zu den Leuten hier, das ist mir wichtig“, sagt Cordula und reicht zwei Tassen Kaffee über die kleine Theke. Zu den Damen dieser Trinkhalle gehört auch Rosi Kretschmann. „Belegte Brötchen dazu servieren wir leider nicht mehr“, berichtet Cordula weiter, „das lohnt sich nicht mehr, die gibt’s billiger beim Discounter. So, wie es früher einmal war, also mit belegten Brötchen, ist es nicht mehr, dafür ist der Preisdruck inzwischen viel zu hoch.“

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„Heikes Kiosk“ in Herne ist zentraler Treffpunkt im Stadtteil Sodingen. Foto: Mario Vedder

Kaffee gibt es natürlich immer noch und – auch – deswegen sind Ralf und Peter gekommen, so wie fast jeden Morgen zur Arbeitspause; das sei ihnen wichtig, das gehöre dazu, zu ihrem persönlichen Arbeitstag und überhaupt – Trinkhallen müssten unbedingt erhalten bleiben, meinen sie, so viele hätten schon aufgegeben, das kennen sie aus ihrer Ruhrgebietsheimat. Umso schöner ist es, hier vor dem historischen Häuschen am Stehtisch und im Schatten der mächtigen Platanen zu stehen, Ruhe zu haben für den Augenblick mit Leuten, die man kennt, ein bisschen quatschen noch und dann geht es wieder zur Arbeit.

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Cordula Blanck in der Trinkhalle „Heikes Kiosk“. Foto: Mario Vedder

Deshalb geht es zwar auch um Kaffee, aber eben nicht nur. Denn hier sind Menschen, die man kennt. Trinkhallen sind Treffpunkte, und mit dem Smartphone beschäftigt man sich hier nicht. Wozu? Auch Uwe kam, als er noch arbeitete, morgens und mittags, auf einen Kaffee. Nun, 69 Jahre alt und in Rente, kommt er noch ein drittes Mal pro Tag, Uwe kommt zu „Heikes Kiosk“ seit er zwölf ist. „Wir treffen uns hier, wir reden miteinander, ist doch besser als Zeitung lesen.“ Hier ist echt, und authentisch. Hier sind Menschen, die man kennt. Wo man reden kann. Immer schon, immer noch.

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Uwe mag die echte und authentische Stimmung am Kiosk. Foto: Mario Vedder

Mehr als Kaffee und Kippen – Soziale Oase im Viertel

Trinkhallen sind mehr als Kaffeeausschank und Verkaufsstelle für Bier und Zigaretten, für Zeitungen und Süßigkeiten. Trinkhallen sind auch Orte des Aufgehobenseins, des füreinander da seins. Fürs Klönen und Klartext reden, sie sind Kummerkasten, wenn es schwer ist, man findet an der Trinkhalle Trost, wenn es ganz schlimm wird. Cordula: „Kürzlich musste der Hund von einer Bekannten, sie kommt jeden Tag morgens und abends zu uns, eingeschläfert werden – da geht niemand allein hin, dabei wird niemand allein gelassen …! Wir stehen uns hier gegenseitig bei, wir stehen füreinander ein. Unsere Arbeit als Budenbetreiber geht weit über den eigentlichen Verkauf hinaus.“

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Als er noch arbeitete, kam Rentner Uwe morgens und mittags auf einen Kaffee zu „Heikes Kiosk“. Foto: Mario Vedder

Das Häuschen mit Walmdach und Säulen wurde 1922 gebaut. „… war und ist seitdem zentraler Treffpunkt im Stadtteil, war immer schon Anlaufstelle“, sagt Cordula, „damals wurden hier auch Lohntüten ausgegeben, das Bier war im Keller und wenn’s kalt war, wurde der Ofen eingeheizt.“ Errichtet wurde das Gebäude auch als Wartehalle und WC, und weil es an einem – damals – verkehrsreichen Platz stand, dem Marktplatz von Sodingen. Seit ein paar Jahren steht diese Trinkhalle unter Denkmalschutz, weil sie den Platz prägt und charakterisiert, solche kleinen Gebäude sind selten geworden im Ruhrgebiet. Sie sind lebendige Geschichte auch wegen Cordula und Heike, wegen Uwe, Ralf und Peter. Die Trinkhallenkultur hat Weltkriege und Wirtschaftskrisen überlebt. Aber was wird die Zukunft bringen?

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Heikes Kiosk in Herne. Foto: Mario Vedder

Natürlich kommen die Kinder immer noch, kaufen Fußballbilder und Klümpchentüte sowieso. Ist nicht teuer, dafür reicht auch ein kleines Taschengeld. Zu diesen Spitztüten mit Weingummi und Co. greifen Erwachsene ebenfalls gern, die Auswahl an bunter Nascherei ist groß. „Die Erwachsenen kennen das aus ihrer Kindheit, sie kommen oft mit ihren eigenen Kindern.“ Manches ist doch noch wie früher. Aber: die Konkurrenz, der Preisdruck – was also wird die Zukunft bringen? Da muss man mal drüber reden. Und wo, wenn nicht hier. Cordula hat schon Ideen, mal vorbeischauen.

Tag der Trinkhallen, Ruhrgebiet, Ruhr
Buntes für die Klümpchentüte. Foto: Mario Vedder

Tag der Trinkhallen – Kulturerbe wird gefeiert

„Wir wollen mit dem ‚Tag der Trinkhallen‘ die Geschichte der Budenkultur im Ruhrgebiet und das Engagement der Leute hinter den Wänden aus Klümpchen-Dosen würdigen und die identitätsstiftende Rolle der Trinkhallen in der Region hervorheben“, so Axel Biermann, Geschäftsführer der Ruhr Tourismus GmbH, „sie sind im Ruhrgebiet wie Dorfplätze in den Vierteln und haben eine einzigartige soziale Funktion. Der ‚Tag der Trinkhallen‘ bringt Nachbarschaften zusammen und macht sichtbar, wie lebendig Budenkultur im Revier ist.“

Die Geschichte der Trinkhallen ist so eng mit der Geschichte des Ruhrgebietes und der Industrialisierung verwoben, dass die Trinkhallen inzwischen zum immateriellen Kulturerbe erklärt wurden. Noch immer haben die Trinkhallen einen hohen Stellenwert mit wichtiger sozialer Funktion. An der Trinkhalle kommen Menschen verschiedener Generationen, Kulturen und Herkunft zusammen, am „Tag der Trinkhallen“ auch Gäste von außerhalb.

Und Timo Ruthmann, Abteilungsleiter Event bei Ruhr Tourismus, meint: „Natürlich stehen Trinkhallen im Wettbewerb mit Supermärkten und Tankstellen. Doch ihre Stärke liegt in der Nähe zu den Menschen: Die Trinkhalle punktet mit kurzen Wegen und mit ihrer besonderen Atmosphäre. Während viele Einkäufe heute anonym ablaufen, gibt es am Büdchen oft noch den kleinen Plausch nebenbei. Genau das macht ihren besonderen Charme aus.“

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Dieser Schalke Kiosk ist zu. Foto: Mario Vedder

Wissenswertes über Trinkhallen im Ruhrgebiet

Trinkhallen werden auch als „Dorfplatz der Großstadt“ bezeichnet und wohl kaum ein anderer Ort ist so eng mit der Geschichte und den Menschen des Ruhrgebietes verbunden wie sie. Entstanden sind diese Trinkhallen Mitte des 19. Jahrhunderts als Orte für den Wasserausschank an die Arbeiter vor der Zeche, der Hütte, der Fabrik, oft gleich vor dem Werkstor oder in der Wohnsiedlung.

Daraus entwickelten sich kleine Läden, wo man sich nach der Schicht mit Notwendigem versorgen konnte. Und: Eine „Trinkhalle“ ist keine Halle, sie ist meist ein kleiner Verkaufsraum, oft mit Durchreiche zur Straße. Das Sortiment ist oft so individuell wie die Bude selbst: dort Hundefutter oder Champagner zu bekommen, ist nicht ausgeschlossen, und Lebensmittel und Hygieneartikel – fehlt im eigenen Haushalt auf die Schnelle nicht immer irgendwas? – im Regal sind noch immer die Regel.

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Linda Ekamp zeigt eine Klümpchentüte, die gehen immer. Foto: Mario Vedder

Kiosk Mummel – Wo Tradition auf Innovation trifft

Szenenwechsel, nach der Radtour von Herne in Gelsenkirchen angekommen: Eine Frau kommt mit zwei Kindern an die Bude, sie kauft jedem ein Eis und ein Comicheft, sie setzen sich an den Tisch im Schatten und essen das Eis, die Kinder packen das im Heft mitverpackte Spielzeug aus. Dann kommt ein Mann, er kauft vier Flaschen Bier, nimmt sie mit. Willkommen an dieser Bude, der historischen Trinkhalle „Kiosk Mummel“ in Gelsenkirchen-Erle.

„Eine Trinkhalle ist eine Oase im Viertel, das hier ist ein Ort, um sich zu treffen“, sagt Linda Ekamp, „Menschen sollten sich doch treffen, sie sollen einen Ort haben, um sich treffen zu können.“ Diese Trinkhalle wurde 1938 gebaut, Linda und Christoph Ekamp haben sie vor drei Jahren übernommen als ein neuer Pächter gesucht wurde.

Es gibt hier auch Wildschwein-Bolognese im Glas, Wachtelei-Nudeln, Wildhackbällchen als Glaskonserve mit dem dazugehörigen Preiselbeer-Rahm, den gewiss dazu passenden Wein verkaufen sie ebenfalls. Eier vom Bauernhof, den sie kennen. Laufen die „feineren“ Sachen gut? Ja, man habe einen treuen Kundenstamm, der sich regelmäßig auch mit solchen Artikeln versorge, berichtet Linda Ekamp.

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Die „Original Gemischte Tüte“ von Mummel. Foto: Mario Vedder

Hinter den Glasscheiben lockt das kunterbunte Naschbüffet. Klümpchentüte geht immer, in jeder Altersklasse. Die Eistruhe summt, welch schönes Geräusch im Sommer. Der nächste Kunde kommt, „…einmal King-Cone-Vanille, und einmal Twister bitte.“ Sehr gern. Das junge Paar mit dem Kinderwagen sitzt mit dem Eis unter dem Sonnenschirm. Bauernhofeis vom Milchhof Billmann gibt es auch, es gibt zuckerfreie Lollies von dem jungen Startup „Bluggar“. Es gibt die Bravo, die Capri-Sonne und Esspapier von „Mampfi“. Es gibt das Feeling von früher und die unbeschwerte Kindheit von heute. Es gibt viel, Bude ist wie Wimmelbild.

Rückkehr ins Ruhrgebiet – Aus Liebe zur Budenkultur

Nach zehn Jahren beruflichem Aufenthalt in Süddeutschland kehrte das Ehepaar Linda und Christoph Ekamp im Jahr 2022 mit ihren beiden Kindern zurück ins Ruhrgebiet. „Christoph und ich stammen ja aus dem Kohlenpott, wir sind in Dorsten geboren und aufgewachsen. Wir wollten unseren Kindern nach unserer Rückkehr ins Ruhrgebiet eine bunte Tüte kaufen, doch als wir feststellten, dass fast alle Buden aus unserer Kindheit verschwunden waren, da waren wir echt bestürzt“, berichtet Linda, „denn mit diesen Orten verbinden wir auch unsere eigenen kostbaren Kindheitserinnerungen.“

Es wurde den Beiden, sie ist übrigens Fotografin, er Bau-Ingenieur, immer klarer, dass es an der Zeit ist, „…aus alten Erinnerungen neue Realitäten zu machen.“ (Ekamp). Dann kam diese Chance: „Wir hatten, ziemlich plötzlich übrigens, die Möglichkeit den ‚Kiosk Mummel‘ zu übernehmen, das ist eine der ältesten Buden in Gelsenkirchen“, berichtet Linda, „es wurde ein Nachfolger gesucht, der die Trinkhalle im Sinne der früheren Betreiber weiterführt. Und da waren wir wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort – und wir konnten den ‚Kiosk Mummel‘ quasi nahtlos weiterführen.“

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Linda Ekamp in ihrer Trinkhalle „Kiosk Mummel“. Foto: Mario Vedder

Ihre eigenen Kinder kannten die „Bude“ nicht, also das Gefühl, wie es hier einst allerorten gelebt wurde. „Die leuchtenden Augen vor dem Süßigkeitenregal und das großzügige Ausgeben von Taschengeld, das Treffen mit den Freunden und der Griff in die Klümpchentüte reihum – das war auf dem Weg zu verschwinden, das wollten wir wieder möglich machen“, meint Linda, steht auf und geht an die Durchreiche der Bude. Sie macht ein paar Kindern diese Freude, füllt eine Tüte mit Naschkram.

Tradition bewahren, Zukunft gestalten

„Es war ursprünglich nie ein Traum von uns, eine Trinkhalle zu führen“, sagt Linda Ekamp, „wir sind da einfach so reingerutscht, das war schon ein Sprung ins kalte Wasser.“ Froh, das getan zu haben? Sie überlegt. „Ja. Doch, auf jeden Fall, aber es ist ein hoher Anspruch diese Tradition zu bewahren, sie an die heutige Zeit anzupassen, sie überhaupt fortführen zu können. Ich denke, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Und anfangs, als sie im Jahre 2023 die Trinkhalle übernommen haben? „Zu Beginn wussten wir nicht, was werden wird. Wir wollten ja nicht nur Bier und Zigaretten verkaufen. Jetzt können wir uns nicht mehr vorstellen, etwas anderes zu machen.“

Man kann sich am „Kiosk Mummel“ auch auf ein Bier treffen, die Lizenz dazu halten Linda und Christoph Ekamp, sie achten aber darauf, dass es gesittet abläuft und ein gemütliches Beisammensein ist, es gibt auch ein Glas Wein vom Winzer, den sie aus ihrer Zeit in Baden-Württemberg kennen. Einmal im Monat veranstalten sie eine Feier mit Live-Musik vor ihrer Trinkhalle. Die Resonanz sei durchweg positiv, sagt Linda, „… wir wünschen uns natürlich, über die Zeit einen größeren Zulauf zu bekommen. Wir bleiben weiter dran!“

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Der Kiosk Mummel in Gelsenkirchen. Foto: Mario Vedder

Von der Bude in die Welt – Der Online-Shop

Linda und Christoph Ekamp haben auch einen Online-Shop daraus gemacht. „Wir versuchen, das Thema Trinkhalle weiter, halt anders zu denken“, sagt Linda, „wir gehen in die Firmen und Vereine, stellen ‚Mummel-Tüten‘ mit Süßigkeiten in Firmen- und Vereinsfarben zusammen, da denken Kunden, Mitarbeiter und Mitglieder gleich an den Ruhrpott, da freut man sich drüber. Und es schmeckt doch gleich noch besser, wenn die Süßigkeiten einmal durch die Bude gegangen sind.“

Einen Online-Shop ist es auch für die Expats, für die, die fortgezogen sind aber schöne Erinnerungen daran haben, an den Ruhrpott, denen das eine große Freude ist, für solche Leute also, die sie selbst ein Jahrzehnt lang waren. „Trinkhallenfeeling, also: Klümpchentüte, haben wir schon bis Neuseeland versendet“, sagt Linda, „die Kundin war begeistert, endlich wieder den Geruch von der original gemischten Tüte wie vor 35 Jahren in der Nase zu haben – da kamen sofort Kindheitserinnerungen hoch.“


Informationen zum Reiseziel Ruhrgebiet: www.ruhr-tourismus.de
Informationen zum Tank der Trinkhallen: tagdertrinkhallen.ruhr

 

Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Bericht stellt keine Wertung untereinander und / oder gegenüber anderen Unternehmen, Personen, Waren oder Dienstleistungen o.Ä. dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Diese Reise wurde unterstützt von Ruhr Tourismus GmbH

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