Atta-Höhle im Sauerland: Märchenhafte Tropfsteinwelt unter den Bergen

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Von Oliver Abraham

Ein verborgenes Naturwunder im Berg

Attendorn, Biggesee/Sauerland (NRW) – Die Berge im Südsauerland: Buchenmischwald steht darauf, und Hänge führen zum Biggesee hinunter, Felskanten sind zu erkennen. Wer ahnt, dass diese Felsen hier in der Unterwelt ganz anders auftreten – märchenhaft, geheimnisvoll? Stein ist nicht für immer, er ist in ewiger Transformation, und hier gibt es etwas spektakulär Schönes, das verborgen im Berg existiert.

Atta-Höhle in Attendorn mit beeindruckenden Tropfsteinformationen. Foto: Mario Vedder
Atta-Höhle in Attendorn mit beeindruckenden Tropfsteinformationen. Foto: Mario Vedder

Eine Zauberwelt, die sich beim Blick auf diese Berge nicht einmal erahnen lässt: das Reich der Fürstin Atta und die beeindruckende Atta-Höhle. Über Jahrtausende wussten die Menschen nichts von diesem Naturwunder, bis sich zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts nach einer Sprengung die Erde auftat – und die Menschen etwas erblickten, das so phantastisch wie faszinierend ist. Die Atta-Höhle ist ein wahrhaft bemerkenswertes Erlebnis. Lassen Sie sich von der zauberhaften Atmosphäre der Atta-Höhle verzaubern!

Angenehm kühl: Ein Besuch der Atta-Höhle im Sommer

Im Sommer und bei Hitze lohnt sich ein Besuch erst recht, denn herrlich kühl ist es im Berg. Bereits das Eingangsportal zur Höhle liegt im Schatten, und ein künstlicher Wasserfall spendet schon hier Frische. Der Höhlenführer öffnet eine graue Metalltür in der Felswand. Ein Gang (80 Meter lang und künstlich angelegt) führt in den Berg, die Schritte hallen, werfen ein Echo. Es wird immer kühler – die Temperatur in einer Höhle entspricht in der Regel dem langjährigen Jahresmittel der Gegend, in der sie sich befindet: in diesem Fall konstant neun Grad. Egal, ob draußen Winter ist oder Sommer. Willkommen in der Atta-Höhle. Zum Bestaunen geologischen Zaubers in schöner, kühler Luft.

Atta-Höhle
Hauchdünne Formationen hängen von der Decke. Foto: Mario Vedder

Tropfsteine, Farben und geologischer Zauber

Wir erreichen die Höhlen und Hallen der Unterwelt; auch wegen ihrer prächtigen und vielfältigen Tropfsteine zählt die Atta-Höhle zu den schönsten, größten und besucherstärksten im Sauerland, in ganz Deutschland. Es ist nicht nur Formation, es ist auch Farbe: erdige Töne natürlich, weiß- und cremefarben sind manche der Stalagmiten (die stehen), sind die Stalaktiten (die hängen) und die anderen Formationen.

Unterwegs in der Atta-Höhle. Foto: Mario Vedder
Unterwegs in der Atta-Höhle. Foto: Mario Vedder

Versickerndes Regenwasser kann, wenn es durch die Luft oder den Waldboden angesäuert wurde, Kalkstein lösen. Das passiert ganz langsam. So entstanden im ohnehin zu Klüften und Spalten neigenden Kalk Höhlen. Unter bestimmten Umständen kann der gelöste Kalk sich wieder aus dem Wasser abscheiden. So, wie steter Tropfen den Stein höhlt, kann er Tropfen um Tropfen auch wieder Stein aufbauen – Tropfsteine eben. Wenn im Kalkstein Verbindungen bestimmter Metalle gebunden sind, wie zum Beispiel solche von Eisen, können diese beim Ausscheiden die Tropfsteine – die nichts anderes als eine bestimmte Form von Kalkstein sind – färben. Die Natur hat ihren eigenen Malkasten.

Die Entdeckung der Atta-Höhle im Jahr 1907

Im Sommer des Jahres 1907 entdeckten Arbeiter eines Steinbruchs diese Höhle: Nach einer Sprengung fanden sie eine Felsspalte und krochen hinein. Was sie dann sahen, muss sie wohl stumm staunen lassen haben – sie blickten auf Tropfsteingebilde: gewaltig wie Säulen und so, als ob sie die Hallen stützen würden, hier und dort auf Zartes und Zerbrechliches, wo Gebilde an der Höhlendecke hängen und aussehen wie im Luftzug erstarrte Gardinen. Unbegreiflich, denn wer kennt schon all die Geheimnisse der Geologie? Und falls doch, bleibt auch dann oft genug nur stummes Staunen und die Phantasie.

Die Atta-Höhle in Attendorn. Foto: Mario Vedder
Die Atta-Höhle in Attendorn. Foto: Mario Vedder

Im Reich der Fürstin Atta

„Kuppelhalle“ oder „Kristallpalast“ im Reich der Fürstin Atta – auch den Forschern und Entdeckern der vergangenen fast 120 Jahre Höhlenerkundung blieben wohl nur solche phantasievollen Bezeichnungen. Wie sonst soll man das in Worte fassen, was dort in ebenso geheimnisvollen geologischen Zusammenhängen wie in unbegreiflichen erdgeschichtlichen Zeiträumen entstanden ist? Zum Beispiel diese Sinterfahnen an der Höhlendecke: Sie sehen aus wie gewellte Vorhänge und erscheinen dünn wie Papier und lichtdurchlässig. Sinterfahnen entstehen, wenn die Tropfen des eingedrungenen Wassers langsam an der Decke entlanglaufen, und sie wachsen noch langsamer als normale Tropfsteine.

Formationen dünn wie Macaroni hängen in der Atta-Höhle. Foto: Mario Vedder
Formationen dünn wie Makkaroni hängen in der Atta-Höhle. Foto: Mario Vedder

Formationen sind zu sehen, die dünn wie Makkaroni an der Decke hängen, mit einem Wassertropfen an der Spitze, und Tausend um Tausend Jahre wird es dauern, bis sie heranwachsen. Mal erscheinen all diese Tropfsteine samtig matt, mal glitzern sie im Licht wegen winziger Kristalle. Hier sieht der Boden aus wie von Glas oder Emaille überzogen, dort wie vereist, wie von Schnee bedeckt. Und die Höhlendecke bisweilen so, als ob dort Wolken wären.

Das Wahrzeichen der Atta-Höhle. Foto: Mario Vedder
Das Wahrzeichen der Atta-Höhle. Foto: Mario Vedder

Wasser, Kristalle und stille Faszination

Zu hören sind die Geräusche fließenden Wassers – woher, wohin? Durch Spalten im Deckgebirge dringt Wasser ein. Dieses Wasser arbeitet, löst und schafft, formt und färbt. In der Ferne gurgelt und gluckst es verhalten. Dann verschwindet das Wasser wieder in unergründlichen Tiefen. Auch die kleinen unterirdischen Seen faszinieren: Oft sind sie wegen optischer Täuschung durch das glasklare Wasser viel tiefer als gedacht. Und manchmal wirken sie wie ein Spiegel.

Faszination Atta-Höhle. Foto: Mario Vedder
Faszination Atta-Höhle. Foto: Mario Vedder

Unsere Schritte auch als leises Echo aus der Unterwelt. Lichtreflexe huschen über die Wände, Millionen winziger Kristalle glitzern. Nochmal staunen, nochmal durchatmen. Wir tauchen wieder auf aus der kühlen Luft im Berg, sind erfrischt und staunen noch. Und die Fürstin Atta mit all den anderen Märchenfiguren ist wieder unter sich. Dort unten, wo es phantastisch ist und so schön kühl.

Informationen

Information zur Höhle: atta-hoehle.de

Information zum Reiseziel Sauerland: sauerland.com

Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Bericht stellt keine Wertung untereinander und/oder gegenüber anderen Unternehmen, Personen, Waren oder Dienstleistungen o. Ä. dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Diese Reise wurde unterstützt von Sauerland Tourismus e. V.

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